Menorca

Sie ist das Kleinod unter den Mittelmeerinseln gesäumt mit kleinen Buchten, bewachsen mit grashügeligen Weidenflächen, „belagert“ mit hunderten von prähistorischen Funden und mit türkisfarbenem Wasser umspülten Stränden. Dazwischen weißgetünchte Bauernhäuser und kilometerlange Steinmauern. Menorca ist die Insel für Verliebte und Verträumte, die ein ruhiges Plätzchen zwischen Felsen und Klippen suchen. Gerade auch Familien verbringen hier eine gute Zeit. Wassersportlern bieten sich Angebote in Hülle und Fülle. Und auch Hobby-Archäologen, die zu den hunderten von prähistorischen Fundstätten aus der Bronzezeit pilgern wollen, bietet das vielleicht „größte Freilichtmuseum“ Europas so einiges Interessantes.

Menorcas Natur ist wie Yin und Yan: Der hügelige Norden mit kleinen Wäldern und scharfen Klippen steht im Gegensatz zum Süden der Insel mit langen Sandstränden zwischen kleinen Buchten aus Kalksandstein. Die zweitgrößte Insel der Balearen nordöstlich von Mallorca mit einer Fläche von 702 qkm und 67.000 Einwohnern besitzt eine der reizvollsten und längsten Naturhäfen der Welt. Sein Fjord ist 5 km lang und 1 km breit. Hauptstadt der Insel ist Mahón. Landessprache ist Menorquín und Spanisch; durch die Engländer besetzt, spricht man hier englisch und mittlerweile auch deutsch. Überbevölkerung der Strände und Menschenmassen in Hotelburgen sind in Menorca nicht befürchten. Denn ein Großteil der Inseloberfläche steht unter Naturschutz. Er darf nicht bebaut werden.

Geschichte

Die wechselvolle Vergangenheit hat sichtbar Spuren hinterlassen. Die Insel ist Durchgangsstation vieler Kulturen und Völker. Erste Funde gehen auf 7000 v. Chr. zurück, die ersten Nachweise einer Bevölkerung auf 2000 v. Chr. Aus dieser Zeit stammen auch Gemeinschaftsgräber genannt Navetas und kleine Siedlungen. Richtige Siedlungen mit einzigartigen Kulturstätten, den so genannten taulas, entstammen der Zeit ab 1400 v. Chr.. Die inseleigene Kultur unterlag unterschiedlichen Einflussen, die immer von außen an die Bevölkerung heran getragen wurden, darunter von den Karthagern 123 n. Chr. oder von den Römern mit Nachlassenschaften in Form der Basilika von Son Bou. Im Jahr 903 kamen die Mauren mit Herrschaft aus Cordóba. Im 6. Jahrhundert gab es unzählige Piratenüberfälle, unter anderem von den Türken. Fiel im 18. Jahrhundert der spanische Thron in englische Hände, so dass ab dem Jahr 1713 etwa ein Jahrhundert lang die Insel unter englischer Besatzung lebte. Zeuge sind davon heute unter anderem das Fort Marlborough. Ebenso belagerten die Franzosen die Insel, jedoch nicht mehr als ein Jahrzehnt. Das 19. und das 20. Jahrhundert verliefen gleichfalls kosmopolitisch wie die vorangegangen, wobei das 19. Jahrhundert auf der Insel geprägt wurde vom ständigen Ankommen ausländischer Flotten im Hafen von Mahón, der anfangs Freihandelshafen war. Beide Jahrhunderte sind Zeugen von Zeiten großer Armut. Dank der beginnenden Industrie und des Handels und des Tourismus in den 60-er Jahren leben die Menorquiner heute europäischen Standard.

Größere Städte auf Menorca

Die größte Stadt Mahón (Maó auf Mallorquín), oft umgekämpft, wurde im 18. Jahrhundert kurzweilig von den Franzosen besetzt (1756 63) und über einen längeren Zeitraum von mehr als 70 Jahren von den Engländern (1708-82). Daher findet man in Mahón typische englische Häuser meist schmal und ohne Balkon, dafür mit englischen Schiebefenstern.

Von den Karthagern gegründet und am westlichsten Zipfel der Insel gelegen, war Ciutadella lange die Hauptstadt Menorcas. Auch heute noch ist sie die religiöse Hauptstadt und damit Bewahrerin der Inseltradition. Der Hafen und seine typischen Kneipen, die engen Gassen, die weiß getünchten Stadtpaläste sowie die Kirchen haben einen ganz eigenen Charme. Die Stadt ist heute Bischofssitz. Besonders reizvoll durch ihre vielen Arkadenbögen im maurischen Stil um 1550 ist die Straße Ses Arcades, die zur gotischen Kathedrale aus dem 14. Jahrhundert führt. Sie wurde zum historischen Monument erklärt. Nichts bietet soviel mittelalterliche Atmosphäre wie dieser Stadtkern von Ciutadella.

Sehenswertes auf Menorca

Die beiden Städte Mahón und Ciutadella warten mit reicher Kultur auf. In Mahón befindet sich in einem Franziskanerkloster das Museum von Menorca, welches Auskunft über die Geschichte der Insel gibt. In der Sammlung Museum Sanz-Hernandez Mora kann der Besucher Möbel, Bücher und andere Dinge des täglichen Insellebens betrachten.

In Ciutadella war der Maler Torrent zu Hause. Er anvancierte zum beliebtesten Künstler der Stadt. Für ihn und andere Maler war und ist der Ort mit magischer Anziehungskraft versehen. Des Weiteren bietet Ciutadella einen Kathedrale, einen Park und unweit der Stadt einen malerischen Steinbruch, in welchem regelmäßig Konzerte stattfinden. Er ist eines der bei Urlaubern beliebtesten Fotomotive der Insel. Löcher, überdimensionale Säulen, Nischen und lustige Treppen laden zum Verweilen und Belichten ein. Doch ein Rundgang an den Kanten des Steinbruchs empfiehlt sich nur für Schwindelfreie. Im Diözesemuseum der Stadt bewundert man Funde aus der Bronzezeit und das Hauptmuseum, welches sich in einem Bollwerk oberhalb des Naturhafens des Ortes befindet, informiert man sich über die Geschichten von Ciutadella und Menorca.

In vielen kleineren Orten Menorcas zeigen Galerien die Arbeiten zeitgenössischer Maler und (Hobby-)Künstler. Bekannt ist der Ort Cala’n Porter auch außerhalb der Insel für seine Diskothek. Sie lohnt einen Besuch, befindet sie sich doch in den Höhlen der Steinküste. Daher auch ihr Name: Cova d’en Xorio. Pünktlich zum Sonnenuntergang legen die DJs elektronische Enspannungsmusik auf. Der Ort mit dem kinderfreundlichen Strand ist erst vor 40 Jahren entstanden.

Die Festung San Antoni, im 17. Jahrhundert als Bollwerk gegen Piraten erbaut, bildete der Ursprung des idyllischen Fischerdorfes Fornells. Am Ausgang der Bucht, oberhalb des Cap de Fornells, liegen die mächtigen Ruinen des britischen Wehrturms Torre de Fornells. Von Mahón aus in Richtung Fornells sollte man ein Abstecher zur einmaligen Schieferküste beim Cap de Favaritx machen.

In El Mercadal befindet sich der höchste Berg der Insel. Auf dem Gipfel befindet sich ein Augustiner-Kloster mit einer restaurierten Renaissancekirche aus dem Jahre 1595. Heute leben hier noch einige Nonnen, die die Anlage pflegen. Von mehreren Terrassen aus hat man kurz vor Sonnenuntergang den besten Blick über die gesamte Insel.

Natur

Menorcas Yin und Yan sind die zwei Regionen. Tramontana, die Berge im Norden, mit ihren landschaftliche reizvollen Naturhäfen und Migjorn, die weite Ebene im Süden. Das bunte Blumenparadies im Frühling und Sommer, im Hochsommer bewässerte Maisfelder, Kiefern und Eichen Menorca ist ein Traum in bunt.

Im Norden mit seinen bewaldeten Hügeln und seinen weit in die Insel hineinreichenden Buchten und feinen Sandstränden finden sich Höhlen mit Resten aus prähistorischer Zeit, so gesehen in Cala Morell. Im Inselinnern gibt es unzählige vorgeschichtliche Monumente. Diese mehr als 7000 Jahre alten Steine mal übereinander lagernd, mal ein umgedrehtes Haus erschaffend sind auch heute noch ein großes Rätsel für die Archäologen.
Nicht zu vergessen sei der Toro, der höchste Berg Menorca. Mehr als 357 m über dem Meeresspiel erhält man einen sagenhaften Über-Blick über die Landschaften fernab der Küste.

Die Region im Süden Menorcas hat ein sanftes Relief mit tiefen Schluchten. Die Küste ist hier geradliniger mit vielen Felsküsten und langen Sandstränden. Die weite Ebene des südlichen Teils der Insel wird von mehr als 30 Barrancs (Schluchten) zerschnitten, die von ehemaligen Flüssen beständig in den weichen Kalksandstein gewaschen wurden.

Durch die geologische Struktur hat die Insel bis jetzt kaum Wasserprobleme. Selbst im Sommer gibt es kleine Flüsse und Sumpfgebiete – der Lebensraum für die Vogelwelt – siehe S’Albufera-Es Grau. Man kann dort, je nach Jahreszeit, zahlreiche Wasservögel wie z.B. Reiher, Löffler, Enten, Teichhühner und sogar Flammingos, Ibisse oder Störche beobachten. An den Küstenfelsen hat der Fischadler seinen Horst. Mehr als 280 Vögelarten sind bisher auf Menorca registriert worden.

Menorcas Küste ist zum größten Teil noch unbebaut und Natur belassen. Dies wird auch weiterhin so bleiben. Die meisten der traumhaft schönen Buchten mit ihrem kristallklaren Wasser stehen unter dem Schutz der UNESCO und dürfen somit nicht baulich erschlossen werden. Am 7.Oktober 1993 wurde die Insel zum Biosphären-Reservat erklärt und 43% der Fläche Menorcas steht unter dessen Schutz.

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© Fotos:

Menorca – Cala Pregonda ©  Paoloviolet | Dreamstime.com

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